… in der vielleicht ältesten Stadt Deutschlands
Verschiedene Orte reklamieren für sich, die älteste Stadt Deutschlands zu sein. Einer davon ist Kempten im Allgäu. Die rund 70’000 Einwohnende zählende Stadt war Ziel der diesjährigen Herbstferien der Evangelischen Kirchgemeinde Dussnang-Bichelsee-Balterswil. Eine Gruppe von 31 Seniorinnen und Senioren verbrachte ein paar Tage in unserem nördlichen Nachbarland.
Obwohl diese Reise streng genommen noch im Sommer stattfand (letzte Augustwoche), war sie als Herbstferien bezeichnet. Dem Namen entsprach die Anreise durch Vorarlberg über Dornbirn, Müselbach und Krumbach. Der Bregenzer Wald gab sich wolkenverhangen und neblig und die Aussicht war eher bescheiden.
Weniger bescheiden die Portion beim Mittagshalt in Oberstaufen (D). Es blieb immerhin noch etwas Zeit für einen Verdauungsspaziergang durch den schmucken Kurort. Noch besser gefüllt waren die Teller im Restaurant Fasshalle in Kempten, wo das Nachtessen serviert wurde. In Bayern liebt man es offenbar deftig. Das Restaurant war nur wenige Gehminuten von unserer Unterkunft mitten in Kempten entfernt.
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In der Römerzeit besiedelt
Auf einer Stadtführung lernten die Gruppe Kempten besser kennen. Die Geschichte der Stadt reicht bis mindestens in die Römerzeit zurück. Cambodunum ist bereits in der Antike in einem Schriftstück erwähnt. Im Mittelalter war die Stadt in zwei Teile gespalten, einen katholischen und einen protestantischen. Im Dreissigjährigen Krieg wurde Kempten deshalb stark beschädigt. Im Zweiten Weltkrieg erlitt es dagegen eher weniger Schaden, so dass sich der Ort heute mit einer weitgehend intakten Altstadt zeigen kann.
Am folgenden Tag erkundete die Reisegruppe die weitere Umgebung. Eine beschauliche Carfahrt führte an den Gewässern Weissensee, Hopfensee und Bannwaldsee nach Füssen in der Nähe der Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau, erbaut auf Befehl des legendären Königs Ludwig II von Bayern und bei Touristen sehr beliebt.
Die Hinterthurgauer zogen jedoch weiter an den Forggensee, den sie gemütlich auf einer zweistündigen Schifffahrt erkundeten. Es ist der fünftgrösste See des Freistaats Bayern und ist ein Freizeitparadies für Wassersportler. Auch Füssen überzeugt mit einer hübschen Altstadt.
Nicht ganz stubenrein
Nächste Besichtigung: Memmingen, mit einer Führerin, die ihre Stadt mit derbem Humor und einigen nicht ganz stubenreinen Sprüchen vorstellte. Die Altstadt mit ihren vielen Plätzen, Bürger- und Patrizierhäusern, Palästen und der Stadtbefestigung zu den am besten erhaltenen Städten Süddeutschlands. Im Dreissigjährigen Krieg beherbergte sie eine Zeit lang den katholischen Heerführer Wallenstein.
Gemäss Stadtführerin waren im Mittelalter menschliche und tierische Exkremente begehrt als Düngemittel. So sehr, dass deswegen sogar Streitereien entbrannten. Von dort komme der Spruch «die streiten sich um jeden Scheissdreck», erklärte die Frau.
Kurzer Zwischenhalt in Ottobeuren. Die Klosterkirche bot zwar Abkühlung an diesem sehr warmen Tag. Aber manche der Besucherinnen und Besucher waren beinahe erschlagen ob des Prunks in diesem Gotteshaus. Eine Teilnehmerin erinnerte sich des armen Volkes, das diesen verschwenderischen Prunk wohl zu einem grossen Teil finanzieren musste.
Zum Abschluss noch eine schmucke Altstadt: Lindau am Bodensee. Die wurde auf eigene Faust erkundet. Angesichts der Hitze und der vielen Touristen zogen nicht wenige ein schattiges Plätzchen in einem der vielen Restaurants vor – bei Weisswurst und Bier. Dann mit der Fähre von Meersburg nach Konstanz und zurück in den Hinterthurgau. Albert Büchi /apo



